{Ein Käfig aus Rache und Blut #5}
Die Vorgeschichte

Ines Caranaubahx | 12 Oktober 2017

In diesem Beitrag findet ihr zu allererst die Vorgeschichte zu Laura Labas' "Ein Käfig aus Rache und Blut". Da diese Vorgeschichte fast alles Notwendige über die Dämonen, ihren Einzug in die Welt der Menschen und die derzeitige Situation erklärt, wäre es ratsam die Geschichte zu lesen! ♥

»Eins lebten Dämonen in Frieden in einer namenlosen Welt, Dimensionen von der Erde entfernt. Sie war aufgeteilt in zwei Große Königreiche, genannt Duster und Triste. In Duster regierte der Erzdämon Aeshma, der für sein Temperant bekannt war und für seine endlose Begierde. Die Begierde, nach allem was nicht sein Eigen war.
Seine Länderein und Untertanten führte er jedoch stets mit strenger aber gerechter Hand, sodass sein Reich schon bald nach seiner Thronbesteigung wuchs und gedieh. Je besser es seinem Volk aber erging, desto unruhiger und gelangweilter fühlte er sich.

Sein Blick wanderte über die Grenzen seines Reiches, bis er die Königin von Triste erreichte. Morrigan war das finstere Gegenstück von Aeshma. Wo er temperamentvoll war, war sie eiskalt.
Wo er in hellen Farben strahlte, hüllte sie sich in Dunkelheit. Wo er begehrte, zerstörte sie.
Ihre Ländereien waren kahl, düster und dem Tode nahe, als Aeshma beschloss, Morrigan zu der Seinen zu machen. Die Todesgöttin aber war keineswegs erpicht auf seine Nähe und lehnte seine Versuche, ihr den Hof zu machen, vehement ab.

Aeshma war von ihrer Abneigung sehr getroffen, da er sie nicht verstand. Wieso wollte sie ihn nicht, wo er doch ein großer Krieger, Magier und der mächtigste Dämon seiner Lande war?
Seine letzte Chance, Morrigans Herz doch noch zu gewinnen, sah er in Avnas. Ein Dämon, der die Gestalt von Feuer annahm und nicht nur Aeshmas Legionen befehligte, sondern auch Meister des Wissens war. Er riet seinem Herrscher, Morrigan ein Geschenk zu machen.

Aeshma erwiderte jedoch, dass es seiner Morrigan nach nichts verlangte. Hier bot Avnas schließlich sein unschätzbares Wissen dar und Aeshma machte sich kurze Zeit später auf den Weg zur Königin von Triste. Er bestritt diese Reise zu Fuß und allein, denn das Geschenk, das er seiner Liebsten brachte, war so wertvoll, dass er niemandem mit dem Wissen darum traute. Weder Dämon noch Tier. Nach Monaten erreichte er schließlich Morrigans Festung, die sich dunkel und majestätisch von den sagenhaften Dreiflügelklippen erhob.

Niemand erkannte den König, als er zerlumpt, mit langem Bart und filzigem Haar vor die Königin trat. Er kniete wie ein gemeiner Mann vor ihr nieder und streckte ihr mit den folgenden Worten seine Hände entgegen, die wabernde Finsternis zu umfassen schienen: ›O Morrigan, ich bin gekommen, um dir das Einzige zu geben, das du je begehrt hast, um das zu bekommen, was ich so sehr begehre.‹ Morrigan beugte sich in ihrem Thron aus Knochen vor, während Aeshmas Stimme durch den Saal schwebte. ›Und was könnte dies sein?‹

Der Erzdämon hob seine Lider und richtete seine pupillenlosen Augen auf seine Liebste. ›Sieh selbst.‹ Sie nahm die Finsternis aus seinen Händen und goss sie wie Wasser und Nebel über sich. Die Schwärze fraß das Licht und an Morrigans Stelle erschien ein königlicher Rabe, der sich mit einem triumphierenden Kreischen in die Lüfte erhob. Morrigan war so glücklich über dieses Geschenk, dass sie schließlich nachgab und Aeshma zu ihrem Gefährten nahm.

Viele Generationen lang regierten sie vereint über Duster und Triste. Ihre Kinder erbten die pupillenlosen Augen des Vaters und das kalte Herz der Mutter. Von nun an Königsdämonen genannt, führten sie den Willen ihres Vaters aus und wurden zu seinen Soldaten. Leider, leider war es Morrigan nicht möglich, den Erzdämon für immer an sich zu binden und nach Jahrhunderten des geteilten Lebens, während sich Morrigans eiskaltes Herz erwärmte, suchte sich Aeshma etwas Neues, das er noch nicht besaß.

Eine Menschenfrau, die durch die Dimensionen gefallen und in Duster gelandet war, trat vor den König und bat um Hilfe. Sie war jedoch nicht allein und befand sich in Begleitung ihres Bruders, der sie vor Aeshmas Begierde beschützen wollte. Für den Dämon aber war er kein Hindernis und so wurde er in die tiefsten Spiegelsümpfe Tristes verbannt. Seine Schwester heiratete Aeshma und Morrigan kehrte erniedrigt und voller Pein in ihre verlassene Festung zurück.

Wut und der Wunsch nach Vergeltung setzten sich in ihrem wieder erkaltenden Herz fest, doch niemand war da, der sich mit ihr verbünden konnte. Der Hof hatte sich in den vergangenen Jahrhunderten immer weiter in Richtung Duster bewegt, sodass sie allein in ihrer Verzweiflung ertrank. Noch nie zuvor war sie derart gedemütigt worden. Sie hätte Aeshmas Antrag niemals annehmen, sich niemals in ihn verlieben dürfen.

Nun, bis des Schwesters Bruder aus den Sümpfen zu seiner neuen Herrin irrte. Blind geworden durch die heimtückischen Dornenbüsche hatte er es kaum bis zu ihr geschafft, doch wie durch ein Wunder erreichte er das massive Tor und klopfte dreimal an, bevor er zusammenbrach.

Morrigan wollte ihre Wut zunächst an diesem Menschen auslassen, bis ihr bewusst wurde, dass er genauso litt wie sie, also pflegte sie ihn stattdessen gesund und nahm ihn zu ihrem Gemahl. Nur sein Augenlicht konnte sie ihm nicht wiedergeben. Seine Pupillen waren von nun an weiß wie Ziegenmilch, sodass sich Morrigans Schatten in ihnen spiegelte.

Seine und Morrigans Nachkommen wurden von dem Zorn ihrer Eltern genährt und von ihrem Wunsch nach Vergeltung in den Schlaf gewogen. Nach und nach erhob sich Triste aus seiner Todesstarre und die Armee der Nachkommen überrollte die Grenzen von Duster – genannt Kinder der Schatten oder Schattendämonen.

Der Krieg sollte den Tod von Aeshma und Morrigan überdauern. Es gab auf beiden Seiten viele Verluste und viele Siege. Nach einem Jahrhundert schien man jedoch den Grund, warum
man kämpfte, längst vergessen zu haben. Hier und dort vermischten sich Schattendämonen und Königsdämonen, wechselten die Seiten und kämpften für Herrscher, die schon bald wieder durch andere ersetzt wurden.

Dann öffneten sich erneut die Tore zu unserer Dimension. Dieses Mal stolperten die ersten Dämonen in unsere Welt und erkundeten das Leben unter der Sonne. Schon bald merkten sie aber
die Schwäche am Tage. Man berichtete dem Herrscher Nion, der nun über Duster regierte, von dieser neuartigen Welt, die nicht von Krieg zerstört war. Duster und Triste waren durch den jahrelangen Kampf ausgezehrt und brachliegend. Unglücklicherweise fanden auch die Dämonen unter Benymn, dem König von Triste, der die Erde ebenso für sich beanspruchte, den Übergang.

Der Krieg wurde also zu uns geführt. Nordamerika gegen Europa. Anfangs versteckte man sich hinter den Menschen, denn Königsdämonen besitzen die Fähigkeit, Menschen in den Wahnsinn zu treiben, doch je mehr Unheil angerichtet wurde, desto offensichtlicher wurde das Eingreifen der Dämonen. Nion und Benymn zerstörten sich beinahe selbst, töteten Menschen über Menschen.

In den Schatten der Nacht aber, als Frieden nur noch ein Begriff ohne Wert war, trafen sich zwei mächtige Königsdämonen. Einer aus jedem Lager, namens Taio Billings und Louisa Tanner, deren wahre Namen den Menschen bis heute nicht bekannt sind. Sie schmiedeten einen Plan, der seinen Höhepunkt in dem Tode der beiden dämonischen Herrscher fand, sodass sie ihre Plätze einnehmen konnten. Es war der 12.12.2001 - Die Nacht der Assassinen. Von diesem Zeitpunkt an regierte Louisa über Europa und Billings steckte seine Grenzen um Nordamerika ab. Billings übergab seinen zwanzig mächtigsten Königsdämonen Ländereien, auf denen sie neue Städte errichteten, die von hohen Mauern umgeben werden sollten. Von New York bis nach Los Angeles war das Land vom Krieg verwüstet, doch in ebenjenen Dämonenstädten sollte es Menschen erlaubt sein, unter den Gesetzen der Dämonen zu leben. Außerhalb dieser Städte unterstand man niemandes Schutz.

Die Tore zur anderen, namenlosen Welt... Man sagt, dass sie sich kurz vor dem Mord an Nion und
Benymn schlossen. Viele Dämonen haben dadurch ihre Familien verloren, die noch nicht den Weg zu uns gefunden hatten. Und so leben wir nun schon seit vielen, vielen Jahren unter der Herrschaft von Billings, ohne Elektrizität, ohne Freiheit, ohne Hoffnung.«

Na, hat euch das spannend gemacht?


Rechte an Geschichte, Cover Klappentexte & Co liegen beim Verlag und der Autorin. Illustrationen wurden von Anja Uhren gemalt ♥

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